Hi Y'all,
Thanksgiving steht vor der Tür und damit Amerikas wichtigster Feiertag. Ein Fest, dass im Allgemeinen als friedliches Beisammensein von Pilgrims und Native Americans verklärt wird. Verklärt als ein Tag, an dem die Siedler sich bei den Indianern für deren Hilfe, Gutmütigkeit und Ratschläge bedankten und Gott für ihr Überleben priesen.
Wenn an diesem romantischen Gedanken überhaupt etwas dran ist, gilt dies lediglich für nur für die Pilgerväter, die den Winter 1620/1621 ohne die Hilfe des Indianers Sqanto, der als ehemaliger Sklave die Sprache der Siedler mächtig war und ihnen lehrte, wie man Landwirtschaft und Fischfang betreibt und zudem einen Friedensvertrag mit den Wampanoag-Indianer aushandelte. Nachdem 50 von 110 Siedlern den ersten Winter überlebt hatten, bedankten sie sich bei den Indianern und Gott mit einem großen Erntefest. Soweit, so gut. Wäre da nicht das Rad der Zeit, das sich weiter gedreht hat.
Der Friedensvertrag zwischen den Siedlern und den Indianern hielt nicht lange stand, denn Neuankömmlinge proklamierten zunehmend Landansprüche und so kam es 1637 zu einem Massaker, bei dem 700 unbewaffnete und ein Erntedankfest feiernde Indianer umgebracht wurden. Am folgenden Tag rief der der Gouverneur "A day of Thanksgiving" aus und im festen Glauben an ihre Auserwähltheit durch Gott rotteten die Siedler Indianderdorf nach Indianerdorf systematisch aus.
Leider ist der eigentliche Ursprung von Thanksgiving nicht einmal Nebensache. Thanksgiving wird hier als Fest der familiären Zusammenkunft gefeiert, an dem man sich in geselliger Runde überfrisst und am nächsten Tag ("Black Friday") vor den Geschäften Schlange steht (teilweise campiert) um sich um Tiefstpreise zu schlagen. Amerikas wichtigster Einkaufstag und ein zuverlässiger Indikator, wie gut das Weihnachtsgeschäft ausfällt. In der Schule würde man sagen: Thema verfehlt!
Ich mache mich morgen früh auf nach Chicago! 5 Tage frei! Richtig frei! Aus dem warmen Chapel Hill (23 Grad) in die "Windstadt" mit Tempraturen um den Gefrierpunkt. Chicago, die Stadt, in der man eine King Suit im Residence Inn im Herzen der Stadt für lediglich 100 Dollar buchen kann. Chicago, die Stadt voller Jazz, Improtheater, Kunst und der offenbar besten Pizza im Land. Und Chicago, das, ohne bisher dagewesen zu sein, schon jetzt zu meinen Lieblingsstädten gehört.
Dankbar für die Möglichkeiten,
Richard
Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen. Johann Wolfgang von Goethe
Labels
- Alpen (2)
- Amerika (22)
- Berlin/Brandenburg (3)
- Frankreich (1)
- Georgien (1)
- Indien (1)
- Ireland (1)
- Kambodscha (2)
- Kolumbien (1)
- Konstanz (1)
- Laos (2)
- Palästina (1)
- Peru (1)
- Polen (3)
- Schottland (1)
- Skandinavien (2)
- Slowakei (1)
- Sonstige Welten (5)
- Südafrika (3)
- Südostasien (2)
- Taiwan (1)
- Thailand (2)
- Türkei (2)
- Vietnam (1)
Dienstag, 22. November 2011
Donnerstag, 17. November 2011
Über Woman und Wummen
Über Woman und Wummen....
Dennoch zielsicher,
Richard
- beides ist, leicht zu haben, wenn man will.
- ersteres hat leider keine große Streuung, bis auf wenige rustikale Varianten, Wummen hingegen gibt es mit und in sämtlichen Ausführungen.
- Wummen sind ab 20 Dollar zu haben, Woman in diesem Preissegment interessieren mich nicht.
- sind sie der Kategorie "Championsleague" zu zuordnen, muss man sie mit Samthandschuhen behandeln.
- Wummen finden es nicht "awesome", dass ich aus Deutschland komme, sind nicht touchy und schrecken mich dennoch ab.
- die gute Haltung ist unabdingbar.
Dennoch zielsicher,
Richard
Montag, 14. November 2011
Richard Kemmersiehl darf Stern auf dem Walk of Fame behalten.
Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler (aus Shakespeare: Wie es euch gefällt). Und manchmal wird das ganze aufgezeichnet....
Für diejenigen, die meine 90 Sekunden Ruhm noch nicht gesehen haben: Hier eine kurze Zusammenfassung: Richard Kemmersiehl, ein kreativer deutscher Austauschstudent, erlebt sein erstes Halloween auf der Franklin Street. Als Käse verkleidet, lässt er Umstehende erraten, ob Begriffe wie "Acanthus", "Castigliano" oder "Myzithra" Schriftarten oder Käsesorten darstellen.
Viel Spaß ab Minute 9.53:
http://www.carolinaweek.org/carolina_week_archive/fall_2011
Update: https://www.youtube.com/watch?v=Fe1ciQ-fqXw
Vielen Dank für die tollen Kommentare. Prompt wurde mir aus Hollywood zugesichert, dass ich meinen Stern auf dem Walk of Fame bis auf weiteres behalten darf.
As you like it, Richard
Für diejenigen, die meine 90 Sekunden Ruhm noch nicht gesehen haben: Hier eine kurze Zusammenfassung: Richard Kemmersiehl, ein kreativer deutscher Austauschstudent, erlebt sein erstes Halloween auf der Franklin Street. Als Käse verkleidet, lässt er Umstehende erraten, ob Begriffe wie "Acanthus", "Castigliano" oder "Myzithra" Schriftarten oder Käsesorten darstellen.
Update: https://www.youtube.com/watch?v=Fe1ciQ-fqXw
Vielen Dank für die tollen Kommentare. Prompt wurde mir aus Hollywood zugesichert, dass ich meinen Stern auf dem Walk of Fame bis auf weiteres behalten darf.
As you like it, Richard
Mittwoch, 2. November 2011
You are so European!
Liebes Nicht-Amerika,
wenn ich wie jeden Morgen mit meinem roten Drahtesel über den Campus düse, mit einem Schal um den Hals und einem Becher frischen Kaffee in der Hand, genieße ich Sonderstatus. Was in Konstanz und Freiburg das normalste auf der Welt ist, wird hier hier eher dem rechter Rand des Hipster-Daseins zugeordnet.
Während meines Erasmusjahres in Istanbul habe ich vieles dafür getan, dass ich nicht sofort als Ausländer erkannt werde. Anstelle eines praktischen Rucksacks, habe ich Plastiktüten zur Uni getragen, anstelle eines praktischen Geldbeutels habe ich die Münzen und Scheine lose in der Tasche gehabt. Und ich habe mich diebisch gefreut, als ich die ersten Male auf türkisch nach dem Weg und der Uhrzeit gefragt wurde.
In Chapel Hill hingegen, kaufe ich mir eine Jacke für 160$ weil sie so wunderbar nicht-amerikanisch aussieht und verliere eine Wette, die mich zwingt für einen Tag im typischen Sportschuhe-Minihose-TarHellPulli-Outfit eines typischen Undergraduatestudenten herumzulaufen.
Hier strahle ich, wenn meine amerikanischen Freunde einmal mehr sagen: Richard, you look so European!
Übers Wochenende hat mich Richard aus Grenoble in Chapel Hill beehrt. Neben ausgelassener Feierei (ist eigentlich falsch, denn wir haben nichts ausgelassen), hat Richard auch die Verrücktheiten des amerikanischen Studentenlebens erlebt. Und es ging ihm genauso wie mir:
Wäre es "exotisch", würde man es spannend finden, würde man sich kein Urteil erlauben (wollen), würde man es als außergewöhnlich betrachten. Aber man ist doch in irgendeiner Form sehr vertraut mit der Kultur. Oder doch nicht? Was verbindet uns eigentlich mit Basketballhallen (so groß wie das Dreisamstadion in Freiburg), mit Foodballstadien (fast so groß wie die Allianzarena in München), mit Tailgateparties (BBQ auf dem Parkplatz) und mit Halloween??
Eigentlich nicht viel. Und trotzdem ... warum fällt es hier so leicht eine Meinung zu vielen Dingen zu haben?
Urteilen wir nicht automatisch, weil uns die Kultur so vertraut erscheint? Unterscheiden wir uns also? Wir, die generalisierten Europäer von dem generalisierten Amerikaner? Und wenn ja, worin?
Ein paar Gedankengänge, die wir am Wochenende hatten und die an anderer Stelle weiter ausgeführt werden sollen:
- Gesellschaftliche Toleranz - globale Ignoranz?
- Der Glaube das alles möglich ist, auch im negativen Sinne?
- Ein anderes Kategoriedenken: Während in Amerika in gut und böse unterteilt wird, fragen wir nach der Legitimität?
- Warum haben Bequemlichkeit und Geschwindigkeit einen höheren Stellenwert als Geschmack und Genuss?
Man findet findet ja nicht alles albern, doch wäre man manchmal einfach gerne unvoreingommen.
Aus sicherer Quelle wurde mir zugetragen, dass die Aussage "Du küsst so europäisch" eine zuträgliche Ausbeutung der Andersartigkeit darstellen kann. Ich prämiere sie hiermit zur cheesiest pick-up-line...
A propos cheese.... Bald gibt es einen Film über mich und meine erste Halloweenerfahrung.
Liebe Grüße,
Richard Anders
Abonnieren
Posts (Atom)
