Beim allwöchentlichen Kick meines Fachbereichs, ein langer Ball, ein übermotivierter Zweikampf. Dem Sturz, den ich glaubte gut abgerollt zu haben, folgte ein Knall, und ich merkte sofort, dass etwas kaputt gegangen war. Unter meinem Trikot stand das linke Schlüsselbein etwas unförmig ab und so lernte ich eine neue Welt kennen: Die Welt des Krankenhauses.
Ohne Worte wurde ich beim Empfang gleich in Richtung Notaufnahme dirigiert. Und das unschöne Röntgenbild bestätigte die erste Befürchtung: Das Schlüsselbein muss durch eine Operation wieder in Form gebracht werden. Nächstmöglicher Termin allerdings erst in 4 Tagen. "Zumindest werden Sie sich auf die OP freuen", so die letzten Worte der Ärztin "und am besten holen Sie sich selbst Schmerztabletten auf Rezept, solch große Mengen können wir nicht rausgeben".
Am ersten Tag bin ich dank der Schmerztabletten geflogen, an den folgenden Tagen überwog der Schmerz und die Frustration, dass ein weiterer Winter ohne mich & Snowboard ins Lande ziehen wird. Und am Sonntag habe ich die OP vor lauter Qual und Pein tatsächlich herbeigesehnt. Aber ich wollte ja über die Welt des Krankenhauses schreiben...
In der Welt des Krankenhauses ist offenbar in zwei Kasten unterteilt und bei der Patientenaufnahme werde ich mit Fragen gelöchert: Ein- oder Zweibettzimmer? Ob meine Kasse Chefarztbehandlung übernehmen würde? Rechnung nach GOÄ oder nach dem deutschen Krankenhausgesellschaft Normaltarif? Sie sind doch Selbstzahler? Das sei wichtig für die Zusammenstellung der Rechnung; es sei entscheidend, ob ein Steigerungssatz angelegt werden könne...
WIRKLICH? Es ist 7.00 Uhr morgens und ich habe höllisch Schmerzen...Nachdem das alles so halb geklärt ist, darf ich mein Zimmer beziehen, bekomme ein schickes Gewand für den OP und einen Begrüßungsschnaps, der mich ganz ruhig und gelassen macht. Hier und da noch ein wenig Smalltalk auf dem Weg in den OP und dann werde ich auch schon in den kühlen OP-Saal geschoben. Eigentlich müsste man die Szenen vor und beim Erwachen aus der Vollnarkose auf Video festhalten. Sinnvolles verlässt da nicht den Mund...
Im Zimmer ist von Übelkeit und Erbrechen bei mir keine Spur. Hunger habe ich! Und endlich bringt mir die Schwester ein Tablett. Und als die Schwester gegen Viertel vor 5 wieder mit einem Tablett das Zimmer betritt, freue ich mich laut: "Yeahh, Kaffe & Kuchen!".... "Äh, Herr Kemmerzehl, das ist Ihr Abendessen!".
Morgens werde ich dann direkt von den Ärzten geweckt. Ratsch... Plaster ab, Drainage gewechselt. Daraufhin werde ich wach. Ich protestiere über die unsanfte Aufweckmethode, aber der Stationsarzt ignoriert das gekonnt.
Zum Frühstück gibt es 2 Brötchen und eine kleine abgepackte Marmelade. Sonst nichts. Verzweifelt suche ich nach der Anleitung, wie ich das bisschen auf das viel verteile. Anschließend kommt die Frau von der Essensabfrage: Ob ich morgen Joghurt und Obst haben möchte? Wieviel Kaffe? Welchen Saft? usw.
Hä, höre ich richtig?
Ich versichere mich, dass dieses plötzliche Königsfrühstück nichts damit zu tun hat, das mein Patientenstatus mittlerweile geklärt ist und lache mich kurz danach schlapp als anschließend mein Zimmernachbar gefragt wird: " Und Sie sind also laktosefreier Veganer?"
Einstweilen wird es Mittag. Aber die Stunden ziehen sich und in dem Konstanzer Krankenhaus kann man nichts tun. An dieser Stelle daher nochmal vielen lieben Dank an den reichlichen Besuch, den ich bekommen habe! Ich habe das so sehr geschätzt und mir fest vorgenommen, dass ich jeden, der in die Welt des Krankenhauses eintauchen muss, auch besuchen werde.
Zum Glück war mein Besuch in der Klinik sehr begrenzt. Nach zwei Nächten durfte ich das Krankenhaus schon wieder verlassen. Kurz vor meiner Entlassung darf ich noch zum Röntgen um meine Vorher-Nachher Bilder abholen. Mit dem Ergebnis bin ich recht zufrieden:
Allerdings hoffe ich, dass mir die Welt des Krankenhauses vorläufig erspart bleibt. Und euch auch!
Liebe Grüße,
Richard