Auf
das was kommt, möchte der Kopf gerne vorbereitet sein. Vor einer Reise schaut
man eine Dokumentation, liest in die Reiseführer rein und holt sich Tipps von
Freunden, die schon mal da gewesen sind, ein. Der Kopf bekommt einen ersten
Eindruck vom Zielland.
In
Mumbai stehe ich wenig später am Schalter. Ich möchte ein Zugticket buchen. Die
Dame am Schalter wackelt schon bei meinen ersten Worten mit dem Kopf. Davon
unbeeindruckt führe ich fort. „No problem!“, meint die Dame nachdem ich meinen
Satz beenden habe.
„Wunderbar!“,
denke ich und gebe ihr Jodhpur als Zielort an. Sie wackelt erneut mit dem Kopf.
Diesmal energischer. Ich bin verwirrt.
Ich wiederhole den Zielort und vergewissere mich, ob ich hier ein
Zugticket kaufen kann. Ihr Kopf wandert wieder von links nach rechts und wieder
zurück. Was heißt das jetzt? Ja? Nein? Vielleicht?
Auf
meinen fragenden Blick fügt sie schließlich hinzu, dass ich einen Schalter
weiter solle und zeigt nach links. Dort sagt man mir, dass der Zug ausgebucht
sei und man uns auf die Warteliste schreiben könne, wenn wir zwei Dokumente
ausfüllen würden. Wie wahrscheinlich es sei, mit Wartelistenplatz 115 noch ein
Ticket für den morgigen Zug zu bekommen, frage ich. Der Beamte wackelt mit dem
Kopf und führt dann knapp aus: „Everything is possible!“.
„Prima,
das hilft mir weiter“, denke ich und bedanke mich mit Namaste. Das heißt so
viel wie „meine Seele grüßt deine Seele“ und wird als alltägliche Begrüßungs-
und Verabschiedungsformel verwendet. Dabei wünschte ich mir, dass Sie mein
ernstes Anliegen doch noch erkennt. Vergebens.
Die
kommunikativen Schwierigkeiten werden nämlich noch verstärkt. In der
gesprochenen Kommunikation sticht vor allem der Satz: „No problem!“ hervor.
Scheinbar gibt es in Indien keine Probleme, sondern nur Lösungen. Hinzu kommen
Zeit und die Gewissheit, dass das Problem sich auch von selber lösen kann.
Wie
das Kopfwackeln ist „No Problem!“ eine kommunikative Allzweckwaffe. Es spiegelt
die indische Kunst nicht eindeutig zu sein, sich alles offen zu lassen. Denn am
Ende klappt es meist doch. Oder auch nicht. In Indien geht alles, es gibt alles, davon zu viel und alles gleichzeitig.
Mir kommt es vor, als dass in Indien (m)ein Problem als solches gar nicht
wahrgenommen wird. Das kostet mich zwar manchmal Geduld und stiftet häufig
Verwirrung.
Ist
der Kopf aber darauf einmal eingestellt (Tipp: Echtzeitstrategie!), findet man einen reizvollen Weg dem wunderbaren Land Indien zu begegnen! Dann ist es pure Entschleunigung, denn was passiert, passiert. No Problem! Einfach mitmachen. Einfach die eigene Ungeduld ablegen. Und dann öffnet sich einem dieses faszinierende Land ganz automatisch.
Problems
in Indien? – Kopfwackel, Kopfwackel – No Problem!
Richard