Zurück aus New York City im ländlichen North Carolina! Zurück von einem Wochenende elektrischer Beats und tollen Wiedersehen! Aber auch zurück aus einer Stadt voller Ratten, stickiger Luft und permanenten Verkehrslärm. Obgleich der morgige Tag lehrfrei ist (Labor Day) und ich gerne noch einen Tag länger geblieben wäre, freue ich mich wieder in Chapel Hill zu sein (abgesehen davon, dass der morgige Tag am Schreibtisch verbracht wird). Wenn man in einer solch facettenreichen Stadt wie New York war und sich dennoch freut wieder zurück zukommen, dann betrachte ich das als Spitzenwert auf einem Wohlfühlindikator. Und sich wohl fühlen, ist unglaublich wichtig.
Meine Mitbewohner haben mich ja für ein wenig verrückt erklärt: Da ist der gerade mal 2 Wochen da und zischt gleich nach New York fürs Wochenende. Amerikanischer als mancher Amerikaner und Chapel Hill -> New York mit Zwischenstopp in Washington entspricht in etwa: London -> Milano mit Zwischenstopp in Stuttgart. Was soll's.
Raphi hatte mich „überzeugt“ diesen Trip noch kurz vor Abflug in Deutschland zu buchen. „Rischaaard, wir müssen da unbedingt zu Electric Zoo, einem rießigen Elektrofestival auf eine Insel zwischen Queens und Manhattan. Das wird MEGA“. Und Recht hat sie behalten, die Madame Marquette, und obendrauf ihr supercoole Freundin Selina mitgenommen. Nachdem wir Sonnenbrillen in allen Farben, die dazu passenden Getoradeflaschen und blaues (!) Haarspray in Chinatown zusammengetragen, uns gestylt und vergeblich versucht haben aus den Gesichtern der Menschen in der Metro wenigstens ein bisschen Verwunderung über unser Aussehen herauszulesen - wirklich vergeblich - sind wir auf dem Gelände angekommen. Geflasht vom feinsten Elektrosound der vier Bühnen und der Sicht auf die Wolkenkratzer von Manhattan tanzen wir zu Markus Schultz, Sebastian, Moby und den Crookers. Tiesto beendete den Abend durch ein grandioses Sample und Lamettaregen (ein Schelm, wer hier Parallelen zu Britney Spears ziehen möchte ;-)).
Die Aftershowparty haben wir auf den nächsten Tag gelegt. Zu kaputt waren Ohren und Beine. Kein „Ähh, geht es laaauuuuuddder!??“ aus meinem Munde.
Nach einem superentspannten Nachmittag im Central Park, waren wir mit Sophie, Sebastian und Cecile auf einer grandiosen Museumsparty in einer Dependance des Moma. Neben Party und elektrischen Beats hatten wir noch eine Rikschafahrt mit Gökhan durch Manhattan. So wie der gefahren ist, hätte er wahrscheinlich selbst in Istanbul den Führerschein abgeben müssen.
Eine Frage beschäftigte mich (und uns) das Wochenende: Was ist Fake in Amerika?
Erwartet keine umfassende Antwort von mir, aber lasst mich eine Szene aus dem Central Park beschreiben und urteilt selbst: Ein Straßenmusiker unterhält im Gras liegende Menschen mit seiner Musik. Er steht am Ufer des künstlich angelegten See’s im größten, künstlich angelegten Parks, hinter im ragen die Wolkenkratzer in den Horizont. Auf einmal kommt ein Brautpaar den Weg entlang. Seine Gitarre verstummt und er stimmt einen Hochzeitsmarsch an. Im Anschluss spielt er „Falling in Love with You“ in Elvis Presley-Manier, das Paar tanzt und küsst sich. Man weiß, dass sie diesen Moment nicht vergessen werden. Und auch die umstehenden halten diesen Moment auf Bildern und Videotape fest.
Als der letzte Ton verstummt, entbrannt großer Applaus. Es hat etwas von einer Filmszene und wenn die Szene nicht Amerika spielte, würde man sich wahrscheinlich nicht nach der Kausalität fragen: War da zuerst die Szene und dann das Drehbuch, oder vice versa, ist die Szene nicht inspiriert durch Drehbücher tausender Hollywoodfilme?
Und ich finde diese Frage schlimm und ich versuche sie eigentlich nicht aufkommen zu lassen. Ich versuche nicht zu urteilen sondern versuche zu erkennen, dass aufbauend auf Fake, Schein und dem medialen Kunstgebilde, viel Raum ist für wahre Werte. Ja, vielleicht sogar MEHR Platz für Ehrlichkeit, für Offenherzigkeit und auch Schwäche. Wow, abstruse Theorien zu so später Stunde. Aber genau für solche Szenen liebe Ich Amerika!!! Und ich fände es frustierend und entmutigend, wenn wirklich alles Fake wäre.
Ich lade wieder ein paar Bilder auf Facebook: Richard 72 Stunden in New York
Spezielle Grüße nach Berlin, Durban, Emmendingen und Barcelona! Hoffe euch geht es gut!
Spezielle Grüße nach Berlin, Durban, Emmendingen und Barcelona! Hoffe euch geht es gut!
Kein Fake und trotzdem ehrlich, Richard