Hi Y’all,
mittlerweile kann ich sagen, dass ich nicht nur angekommen
bin, sondern mich stellenweise bereits integriert habe. Im Guten sowie im
Schlechten. Ich beginne mit letzterem:
Ja, ich ertappe mich bereits, dass ich die in der Mikrowelle
aufgewärmten Nudeln mit Ketchup vor dem Fernseher esse.
Ja, und ich bekenne mich mittlerweile zu meiner Uni, habe
mir ein hellblaues T-Shirt mit dem Emblem meiner Uni gekauft und ich trage es
auch außerhalb des Footballstadions.
Ja, es fällt mir mittlerweile nicht mehr schwer zu sagen:
See you around! Oder: I will call you!
Und ja, ich hatte neulich große Probleme mich auf deutsch
mit einem anderen Austauschstudenten zu unterhalten, weil wir beide ungewollt
dem englischen Satzbau gefolgt sind.
Nun positivere Indikatoren der Integration:
Bis auf den Fernseher kann ich nun alle elektrischen Geräte
in meinem Haushalt bedienen. Neben richtig coolen internationalen Freunden,
habe ich mittlerweile viele amerikanische Bekannt- und Freund(!)schaften! Im
Handballteam entscheidet sich nächste Woche, ob ich ins A oder B-Team komme.
Handball ist überraschenderweise kein Exotensport hier, sondern wird richtig
ernsthaft betrieben. Anfangs musste ich lachen, als der Trainer den Neulingen
erklärt hat, dass man im Handball maximal einen Punkt erzielen kann - egal von
wo man wirft! - und nach drei Wochen Training üben wir schon die ersten
Spielzüge ein. Irgendwie geht in Amerika alles ein wenig schneller.
Auch im Urban Planning Department kann ich so langsam Fuß
fassen. Ich würde mich ja gerne in vier Richards teilen: Ein Richard würde ich
in die Bib setzen, so dass die Lektüre und Assignments ansatzweise
durchgeackert werden. Die anderen drei Richards müssten sich koordinieren zu
welchen Partys, Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und sonstigen Aktivitäten sie
gehen. Unglaubliches Programm, das hier geboten wird. Sei es Obama’s Pressesprecher,
der aus dem Nähkästchen plaudert, oder die Veranstaltungen, die im Rahmen des
10. Gedenktags an 9/11 statt fanden, oder ein hochkarätiges Blues-Konzert, von
dem ich gerade komme und diese Liste ließe sich ungeniert fortsetzen.
Liebe Grüße von Richard, der sich leider nicht teilen kann
und dem so langsam die Kräfte schwinden.